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Datenschutzbeauftragter werden, eine Orientierungshilfe

Datenschutzbeauftragter werden, eine Orientierungshilfe

Spätestens seit der "Alles-Krise" haben das eLearning und die Online-Ausbildung mehr denn je Aufwind. Die Unternehmenslandschaft ist sich weitgehend einig: Dieser Trend ist gekommen, um zu bleiben. New Work, Industrie 4.0 und „lebenslanges Lernen“ sind einige der Schlagwörter, welche diesen Trend begleiten. Denn zu vielen Fortbildungen existiert inzwischen ein Pendant, das online absolviert werden kann. Dies betrifft auch die Aus- und Fortbildung für Datenschutzbeauftragte. Eine Orientierungshilfe stellt dieser Beitrag.

Ein Berufsbild mit Perspektive?

Ja. Auch mit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) schreitet die Digitalisierung unaufhaltsam voran. Daten sind das „Gold des 21. Jahrhunderts“ und der wichtigste Treibstoff, insbesondere für digitale Geschäftsmodelle. Dabei werden nicht nur Experten in technischen Berufen gesucht, sondern auch entsprechende Expertise im Datenschutz. Im Fokus steht somit der Schutz von Persönlichkeitsrechten, was durch den Schutz der Daten einer Person erreicht wird. Denn Unternehmensentscheidungen drehen sich vermehrt um die Verarbeitung personenbezogener Daten, die sich in vielen Bereichen längst als existenziell erweisen. Somit spielen auch Compliance-Vorschriften zum Umgang mit Daten eine existenzkritische Rolle und der Datenschutz ist immer (mindestens) eine gern gesehene Zusatzqualifikation. Tausende Stellen mit Bezug zum Datenschutz sind aktuell ausgeschrieben und Experten fehlen.

Wer Datenschutzbeauftragter werden kann

Beginnen wir mit den Basics. Nach Art. 37 Abs. 5 DSGVO müssen Datenschutzbeauftragte insbesondere Fachwissen auf dem Gebiet des Datenschutzrechts und der Datenschutzpraxis vorweisen und zur Erfüllung ihrer Aufgaben nach Art. 39 DSGVO in der Lage sein. So weit so unklar, denn dies bedarf einer näheren Betrachtung der Anforderungen. Grundsätzlich kann zunächst festgehalten werden, dass jede(r) Datenschutzbeauftragte(r) werden kann. Die "gelebte Praxis" ist hierbei, dass eine entsprechende Aus- oder Fortbildung absolviert wird, um das erforderliche Fachwissen zu erwerben und auch den Nachweis darüber führen zu können (Fachkunde-Zertifikat). Denn das Fachwissen ist im Zweifel nachzuweisen und es liegt in der Verantwortung der Geschäftsleitung, eine fachkundige Person zum Datenschutzbeauftragten zu benennen.

Anforderungen an die Ausbildung

Die Anforderungen an die Ausbildung spiegeln sich somit in den Anforderungen an das Fachwissen. Doch zunächst ist festzustellen, dass es sich bei der beruflichen Tätigkeit von Datenschutzbeauftragten nicht um einen klassischen Ausbildungsberuf oder ein Studium handelt, da kein einheitlicher und akkreditierter Ausbildungsstandard existiert. Die Anforderungen sind somit aus dem Gesetz herzuleiten (Fachwissen im Datenschutzrecht und in der Datenschutzpraxis) und zu konkretisieren. Zur Orientierung: Bereits vor einiger Zeit hat das Landgericht Ulm (sog. "Ulmer Modell", Az. 5 T 153/90-01) im Jahr 1990 entschieden, dass es sich bei der Tätigkeit von Datenschutzbeauftragten um einen eigenständigen Beruf handelt. Begründet wird dies mit einem Beitrag zu einer "gesellschaftlichen Gesamtleistung" aus verfassungsrechtlicher Sicht. Denn das Hauptaugenmerk liegt im Datenschutz auf dem Schutz des verfassungsrechtlich geschützten Persönlichkeitsrechts. Und eigenständige Berufe bedürfen in der Regel einer eigenständigen Ausbildung.

 

Welche fachlichen Anforderungen gelten

Die Fachkunde umfasst nach Ansicht des Landgerichts Ulm, dass Datenschutzbeauftragte "Computerexperten" sein müssen, sämtliche Datenschutzvorschriften anwenden können, Kenntnisse betrieblicher Organisation haben sowie Organisationstalent besitzen, didaktische Fähigkeiten aufweisen, "psychologisches Einfühlungsvermögen" und angemessen mit Konflikten zur eigenen Person sowie den Funktionen und den Aufgaben von Datenschutzbeauftragten umgehen.

Zu diesen Ergebnissen kam auch der Düsseldorfer Kreis, der, als Arbeitskreis der nationalen Datenschutz-Aufsichtsbehörden, die Mindestanforderungen an die Fachkunde und die Unabhängigkeit von Datenschutzbeauftragten im Jahr 2010 konkretisiert hat (ebenfalls nach alter Rechtslage vor der DSGVO). Hierbei wurde besonders auf die Kenntnis der Grundrechte Betroffener, auf die Kenntnis branchenspezifischer Besonderheiten, die Kontrollbefugnisse zur Wahrnehmung der Aufgaben sowie auf die persönliche Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit in der Funktion als DSB, abgestellt. Dazu gehört etwa, dass keine Interessenkonflikte in der Ausübung der Tätigkeit bestehen und somit nicht der Umstand eintritt, sich selbst zu kontrollieren oder Entscheidungen, die Verarbeitungstätigkeiten betreffen, von der eigenen betrieblichen "Befangenheit" abhängig zu machen (Unabhängigkeit). Diese Anforderungen finden sich heute kumuliert und wesentlich auch in den Artikeln 37 bis 39 der DSGVO sowie in § 38 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) wieder. Besonders intern benannte Datenschutzbeauftragte genießen zudem rechtliche Vorzüge, wie einen besonderen Kündigungsschutz und ein gesondertes Benachteiligungsverbot aufgrund der Ausübung ihrer Tätigkeit.

Kurz gesagt: Datenschutzbeauftragte sind "Übermenschen" und Meister aller Klassen, oder. Sie haben zumindest den Anspruch, sich in diese Richtung zu bewegen. Aufgrund der erforderlichen rechtlichen Expertise, die je nach Einsatzgebiet sehr umfassend sein kann, sind insbesondere erfahrene Juristen mit Know How im IT-Bereich für den Beruf sowie als Kursanbieter prädestiniert. Für die Tätigkeit von Datenschutzbeauftragten besteht jedoch kein "muss", eine akademische Ausbildung in einem der Kompetenzbereiche absolviert zu haben. Es sollte jedoch branchen- und unternehmensspezifisches Know How im Einsatzgebiet vorhanden sein, das durch Aus- und Fortbildung im Datenschutz ergänzt und vertieft wird. Eine mehrtägige Präsenz-Fortbildung hatte sich seither in der Praxis etabliert und bildete den Standard. Und nun auch das eLearning.

 

Wie kann ich mich orientieren?

Die Aus- oder Fortbildung sollte sich immer an der beruflichen Zielrichtung des Einzelnen orientieren. Dabei sollten sich Interessierte die Frage stellen, ob sie sich in dem Bereich akademisch spezialisieren oder zum Beispiel nebenberuflich eine Funktion wahrnehmen wollen, z. B. als interne Datenschutzbeauftragte oder zur Ergänzung ihrer selbständigen Tätigkeit. Das Basis-Fachwissen ist zudem auch für Beschäftigte wichtig, die Verantwortung im Bereich Datenschutz übernehmen. Darunter fallen etwa Beschäftigte in Leitungs- und Management-Funktionen sowie Mitarbeitende der IT. Bei der Wahl der Ausbildung sollte somit besonders auf die Komplexität bestehender und zukünftiger Herausforderungen im Einsatzbereich geachtet werden. So wird ein Basiskurs, als Zusatzqualifikation für „normale“ betriebliche Anforderungen und bei persönlicher Eignung, im Regelfall ausreichen. Für komplexe Rechts- und IT-Anforderungen in Unternehmen und Unternehmensgruppen, sowie für Consulting-Tätigkeiten in spezialisierten Beratungsgesellschaften, sollte, wie auch bei den Zielen einer Erstausbildung, auf eine vertiefte, spezialisierte und umfassende Ausbildung geachtet werden.

 

Zum DSB im praktischen eLearning? Hier geht es zur Online-Ausbildung für betriebliche Datenschutzbeauftragte.

 

 


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